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In einer Bildungslandschaft, die sich ständig wandelt, ist die Zentralmatura zu einem zentralen Diskussionsthema geworden. Mag. Matthias Roland, Direktor der Maturaschule in Wien, nimmt dazu Stellung und beleuchtet Sinn und Unsinn dieser standardisierten Reifeprüfung.

Mag. Matthias Roland
Direktor Mag. Matthias Roland steht im Blog Frage und Antwort

Was ist die Zentralmatura?

Die Zentralmatura wurde 2014 eingeführt und gilt seit dem Schuljahr 2015/16 auch für Berufsschulen flächendeckend in ganz Österreich.

Bis dahin wurden die Maturaaufgaben von den einzelnen Schulen bzw. Lehrenden selbst erstellt. Man konnte Rücksicht auf die jeweiligen Bildungsschwerpunkte der Schule und einzelner Schulklassen nehmen.

Seit 2014 werden die Aufgabenstellungen zentral und einheitlich gestaltet und gelten für alle Schüler*innen. Die Maturatermine werden nun zentral festgelegt.

Was sind die Schlüsselkomponenten der Zentralmatura und wie unterscheidet sie sich von der traditionellen Matura?

Die Zentralmatura besteht aus den drei Säulen:

  • schriftliche Matura
  • mündliche Matura
  • vorwissenschaftliche Arbeit
Bild zeigt Lernunterlagen
Austausch und gemeinsames Lernen schätzt das Team bei Dr. Roland

Einerseits werden die Aufgabenstellungen nun zentral vorgegeben. Damit änderte sich die Vorbereitung in den öffentlichen Schulen massiv, da nun die Inhalte der Zentralmatura zu einem zentralen Bestandteil der Lehrpläne wurde.

Individualisierungen und Spezialisierungen verschiedener Ausbildungszweige fielen weg. Zudem wurden beispielsweise im Gegenstand Deutsch Leselisten sowie Literaturgeschichte stark eingeschränkt und kreatives Schreiben und Arbeiten zugunsten von Textsorten aufgegeben.

Augenfällig sind auch die weggefallenen Spezialisierungen in Gegenständen wie Latein, wo nunmehr kaum mehr Wert auf „Klassiker“ gelegt wird. Wurde früher an vielen Schulen die spezielle Übersetzungstechnik für Ovid oder Sallust etc. erlernt, liegt nun der Fokus auf einfacheren Texten, damit es bei der Matura nicht zu Benachteiligungen von Schüler*innen kommen kann, die gerade den maturarelevanten Autor nie übersetzt haben. Man denke auch an die unsere Student*innen der Berufsreifeprüfung.

Die Folge ist, dass nun alle dasselbe können sollen und eine Differenzierung der Ausbildungen bzw. eine Fokussierung auf die Stärken eines Schulstandorts bzw. idividueller Schüler*innen nicht mehr möglich ist.

Durch den Wegfall der „vertiefenden Schwerpunktprüfung“ in einem der mündlichen Fächer sowie der Spezialgebiete ist ebenfalls ein Faktor der Individualisierung entfallen.

Der Sinn der Vorwissenschaftlichen Arbeit ist seit Einführung der Zentralmatura fraglich, da bekannt ist, dass diese vielfach von Ghostwritern – seien es Eltern, ältere Geschwister oder Profis – verfasst wird. Seit dem Auftreten der KI ist die VWA ohnehin ins Zentrum der Kritik gerückt und kann in dieser Form keinen Bestand haben.

Zudem gibt es nun eine Trennung von schriftlicher und mündlicher Matura. Dies bedeutet, dass diese Prüfungen individuell bewertet werden und die Note nicht mehr „zusammengerechnet“ wird, wenn man beispielsweise im selben Gegenstand sowohl schriftlich als auch mündlich zur Matura antritt.

Leider fällt damit das „Ausbessern“ einer Schriftlichen durch die Mündliche einfach weg. Allerdings kann man im Falle einer negativen schriftlichen Matura nun zu einer so genannten Kompensationsprüfung antreten.

bild zeigt klasse
Ein motiviertes Umfeld führen Schüler*innen zum Erfolg

Wie kann ich mich außerhalb der Schule auf die Zentralmatura vorbereiten?

Wir, die Maturaschule Dr. Roland, bieten eine Alternative zum Regelschulsystem. In dieser Schule werden seit der Gründung im Jahr 1933 Schüler*innen auf „zentrale“ Prüfungen – Zulassungsprüfungen und die abschließende Matura – vorbereitet. Im Fokus der je nach Vorbildung ein- oder zweijährigen Kurse stehen seit jeher die konkreten Prüfungsanforderungen.

Was hat sich an Ihrer Maturaschule durch die Zentralmatura verändert?

Die Arbeit der Maturaschule Dr. Roland ist einerseits durch die Vereinheitlichung der Prüfungsanforderungen leichter geworden. Unsere Schule bereitet ja seit vielen Jahrzehnten auf externe Prüfungen vor, die nun durch die zentralen Vorgaben auf einem einheitlichen Niveau abgenommen werden.

Allerdings kämpft auch unsere Schule mit der durch die Absenkung des Niveaus schwindenden Allgemeinbildung. Daher legen wir großen Wert auf eine Gesamtwiederholung des relevanten Stoffs vor allem in den unterrichteten so genannten Hauptfächern Deutsch, Mathematik sowie den Fremdsprachen.

Wie unterstützt die Maturaschule Dr. Roland Schülerinnen und Schüler, die mit bestimmten Aspekten der Zentralmatura kämpfen?

Neben Seminaren zu den großen Themen der Lerntechnik bieten wir individuelle Coachings, die für unsere Schüler*innen jederzeit kostenlos in Anspruch genommen werden können.

Integraler Bestandteil aller Lehrgänge ist zudem die Übung mit jenen Beispielen, die bei den vergangenen Terminen der Zentralmatura gegeben worden sind. So kann es bei der Matura zu keinen Überraschungen kommen und die Schüler*innen sind gut auf die finalen Prüfungen vorbereitet.

Gemeinsam die Schulzeit feiern wäre ein Idealzustand der Reifeprüfung

Was erwartet Zentralmaturant*innen

Kurz und kritisch gesagt: eine „Einheitsbrei-Matura“. Die – aus meiner Sicht – so wichtige Differenzierung in der Ausbildung ist stark eingeschränkt worden. In Auseinandersetzung mit dem Schulsystem gewinnt man den Eindruck, dass viele Schulen aus Angst vor schlechten Ergebnissen an ihrem Schulstandort auch noch in den letzten Monaten vor der Matura jene Schüler*innen „aussortieren“ würden, die ein positives Maturaergebnis am Schulstandort verschlechtern könnten.

In unserer Schule kommt es seit 2014 vermehrt zu Anmeldungen von Schüler*innen mit einer sehr hohen Vorbildung.

Erneut eine sehr persönliche Meinung: Die Matura sollte kein „Angstgegner“ von Lehrenden und Lernenden sein, sondern ein Moment, in dem man die gemeinsame Schulzeit „feiern“ darf. Natürlich soll sie eine Reifeprüfung bleiben; und dies war sie ja auch vor Einführung der Zentralmatura bereits.

Ich halte es für jedes Schulsystem wünschenswert, dass es die Stärken der Lernenden fördert und weniger auf deren Schwächen herumreitet. Dazu ist die Forderung nach zentralen Aufgabenstellungen die denkbar schlechteste Lösung.

Historisch ist auch Erkennbar, dass die stete Forderung nach einer Qualitätskontrolle der Lehrkräfte nie zum Erfolg geführt hat – dafür haben Politik und ein falsch gelebtes Selbstverständnis der Lehrergewerkschaft geführt. Die Einführung der Zentralmatura war dann ein Kompromiss, der zu Lasten der Individualität und er Schüler*innen geschlossen wurde.

Fazit

Die Zentralmatura hat zweifellos das Bildungssystem in Österreich maßgeblich beeinflusst. Doch trotz ihrer intendierten Vereinheitlichung und Vereinfachung der Prüfungsmodalitäten stehen viele kritische Stimmen ihr gegenüber.

Die Herausforderung bleibt, einen Ausgleich zwischen Standardisierung und individueller Förderung zu finden, um den Bildungserfolg und die Chancengleichheit für alle Schüler*innen zu gewährleisten.

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