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1933 - 1983; 50 Jahre Maturaschule

Eine Bilanz des Schulgründers Dr. Erich Roland

Zum fünfzigjährigen Bestand im Jahr 1983
Eine Schule legt Rechenschaft

Geschichte und Bilanz der Maturaschule Dr. Roland

Fünfzig Jahre sind im Leben eines Menschen eine lange Zeit. Dass ich selbst 5 Jahrzehnte lang die von mir gegründete Privatschule (in den letzten beiden Jahrzehnten schon mit meinem Sohn als Nachfolger) erfolgreich führen konnte, erfüllt mich mit Freude und Genugtuung, haben doch so manche Absolventen der Maturaschule Dr. Roland einen Berufsweg gewählt, der sie zu Spitzenpositionen im öffentlichen Leben und im privaten Bereich geführt hat.

Die Maturaschule ist in dieser langen Zeit auch der Öffentlichkeit bekannt geworden. Ich fühle daher die Verpflichtung, nunmehr einen Rechenschafts bericht über die wesentlichen Ereignisse in dieser Zeitspanne vorzulegen.

Eine kurze Rückschau

Die Vorgeschichte der Maturaschule reicht in das Jahr 1926 zurück. Angeeifert durch Erfolge, die ich als Schüler des Piaristengymnasiums und später in den ersten Semestern meines Universitätsstudi ums als Privatlehrer erzielt habe, rief ich im Jahre 1926, im Alter von 21 Jahren, Hochschulkurse für das so genannte "Latinum" ins Leben. Das Ziel die ser Kurse war es, Studenten, die in ihrem Matura zeugnis keine Lateinnote aufzuweisen hatten, in kür zester Zeit jenes Wissen zu vermitteln, das zur Ablegung des "Latinums" - einer Ergänzungsprüfung an der Universität - ausreichte. Hatten die Kandida ten diese Prüfung bestanden, so konnten sie ihr Studium an jeder Fakultät der Universität beginnen.

Diesen Lateinkursen gliederte ich in den höheren Semestern meines Rechtsstudiums Vorbereitungskurse für die Staatsprüfungen und Rigorosen der juri dischen Fakultät, die "Rechtskurse Dr. Roland", an. Auch diese Kurse erfreuten sich in kurzer Zeit gro ßen Zulaufs; die Frequenz stieg von Jahr zu Jahr sprunghaft. Bis zum Jahre 1933 waren es bereits Tausende von Hörern, die in der Liebiggasse im Universitätsviertel ihre Lateinkenntnisse und ihr juri stisches Wissen teils ausschließlich erworben, teils neben dem Hochschulstudium erweitert und prüfungsreif gemacht hatten.

Die Absolventen dieser Hochschulkurse haben vielfach bemerkenswerte Karriere gemacht. Einer wurde der ehemalige Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky, mehre re sind oder waren Abgeordnete zum Nationalrat, Hochschullehrer, Vertreter im diplomatischen Dienst, Ärzte, Rechtsanwälte und Notare, Wirtschaftsfach leute, Mittelschuldirektoren, Professoren; andere waren und sind in leitenden Stellungen vieler sonsti ger Berufe tätig.

Im Unterricht war ich viele Jahre allein tätig gewe sen, später zog ich, insbesondere für die Rechts kurse, tüchtige Kollegen zur Mitarbeit heran. Nach meiner Promotion zum Doktor juris im Jahre 1929 stand ich vor der Wahl, in die juristische Praxis überzuwechseln und den Kursbetrieb einzuschränken, oder aber dem Lehrberuf weiter treu zu bleiben. Die bis dahin erzielten Erfolge sowie die damalige Wirtschaftskrise machten mir die Entscheidung leicht: ich blieb bei meinen Hochschulkursen. Dieser Be trieb wurde in den nächsten Jahren stark erweitert: Akademiker anderer Fakultäten und Hochschulen schlossen sich mir an. Im Rahmen der "Hochschul kurse Dr. Roland" entwickelten sich neben den schon bestehenden Lateinkursen und Rechtskursen an der philosophischen Fakultät weiters Kurse für Germanisten, Romanisten und Anglisten sowie ver schiedene Kurse an der medizinischen Fakultät der Universität Wien und an der Technischen Hochschule.

Im Jahre 1933 tat ich den nächsten großen Schritt: ich gründete die Maturaschule im 7. Bezirk in der Westbahnstraße 5. Viele Jahre hindurch hatte ich in den Hochschulkursen Gelegenheit gehabt, das in den Mittelschulen erworbene Wissen vieler Hochschüler als etwas dürftig zu erkennen. Ich hatte nun den Ehrgeiz, den Besuchern meiner Maturaschule in kür zester Zeit ein übersichtlicheres Wissen zu vermit teln, das freilich mit weniger Details beschwert sein musste.

In einem Karikaturpreisausschreiben einer Wiener Zeitung sah ich zum ersten Mal den "Bohrer". Diesen "Alptraum des Prüfungskandidaten" machte ich zum Blickfang bei unserer Schülerwerbung.

Dieses "Firmen­zeichen" ist der Schule mit Verän­derungen treu ge­blieben. Schon nach kurzer Zeit waren alle Räume der neuen Schule in der Westbahnstraße von lerneifrigen Kursbesuchern erfüllt. Anfangs waren es fast nur Berufstätige, die nach des Tages Arbeit abends zur Schulbank zurückkehrten und nach zwei bis drei Jahren die ersehnte Reifeprüfung ablegen konnten. - Als die Erfolge die­ser Schule bekannt geworden waren, bekam die Westbahnstraße immer mehr Zuzug aus den Kreisen jugendlicher Schüler. Zum Teil waren es Haupt­schüler, die nach der Pflichtschule das höhere Ziel einer Matura anstrebten, teils waren es Mittelschüler, die - nicht immer aus eigenem Verschulden - auf dem normalen Schulweg Schiffbruch erlitten hatten und sich nun bemühten, ihre Reifeprüfung auf die­sem "zweiten Bildungsweg" erfolgreich abzulegen.

Nach Kriegsbeginn, als ich selbst eingerückt war, wurden die Hochschulkurse eingestellt. Die gleichzeitige Weiterführung beider Unterrichtsunternehmungen war wegen des großen Umfanges der Maturaschule und mangels geeigneter Kursleiter für die Hochschul­kurse (die meisten waren gleichfalls eingerückt) un­möglich geworden. Der Betrieb der Maturaschule blieb aber aufrecht.

Nach dem Kriegsende erlebte die Maturaschule Dr. Roland einen sehr beachtlichen Aufschwung. Bald reichten die Räume der Westbahnstraße nicht mehr aus. Es entstand die erste Zweigstelle auf dem Getreidemarkt im 6. Bezirk, wo ich die frühere "Neue Maturaschule" des Direktors Dr. Wilhelm Höfinger übernahm. Weitere Zweigstellen entstanden in den folgenden Jahren auf dem Karlsplatz (Evange­lische Schule), auf dem Hamerlingplatz (Handelsaka­demie), sowie in der Richtergasse im 7. Bezirk. An einigen dieser Stellen hatten auch die neu einge­richteten Lehrgänge für die B-Matura ihren Standort.

Schließlich hatte ich mich im Jahre 1949 zu einer entscheidenden Erweiterung des Schulbetriebes ent­schlossen: Der Besuch der Maturaschule war bisher nur Bewohnern Wiens und seiner Umgebung möglich gewesen. Aber es fehlte nicht an jahrelangen Anre­gungen, den Unterricht für die Externistenmatura im Fernunterricht (Korrespondenzwege) auch Schülern der Bundesländer zugänglich zu machen. Nach lan­gem Zögern und nach Überwindung mancher Skepsis, die auch ich diesem "dritten Bildungsweg" einer Maturavorbereitung entgegengebracht hatte, wurde ein Versuch unternommen. Heute kann mit Fug und Recht erklärt werden: dieses Vorhaben ist gelungen.

Jährlich maturiert in Wien und in den Mittelschulen anderer Bundesländer eine ansehnliche Zahl von lernbegierigen, oft von Lerneifer geradezu besessenen Schülern aller Bundesländer, die sich nur durch das Studium der monatlich zugesendeten Lehrbriefe auf die Prüfung vorbereitet haben. Menschen, die sonst nie Gelegenheit gehabt hätten, eine ihrer Begabung ent­sprechende Schulbildung zu erwerben und nachzuwei­sen, haben im Fernunterricht unserer Maturaschule einen Weg gefunden, um fern von der Schulbank ein Reifezeugnis zu erlangen. Zu ihnen gehörten ein Wetterwart auf dem Sonnblickobservatorium, Matrosen zur See, Kinder des österreichischen diplomatischen Corps im Ausland, Bewohner von Gebirgsdörfern, wie hunderte andere Schüler, deren Wohnsitz weitab von jeder höheren Schule gelegen ist. Sehr wesent­lich für den Erfolg dieses "dritten Weges" zur Matura ist die sorgsame und verantwortungsbewusste Betreuung der Fernschüler durch eine gewissenhafte Durchsicht und Korrektur der eingesendeten Aufga­ben. Dazu mußte ein Stab von besonders geduldigen und verständnisvollen Mitarbeitern gefunden und unterwiesen werden; heute können wir stolz auf die­ses Team der Mitarbeiter sein. Auch Schüler des Auslandes , besonders aus Deutschland, Südtirol, aus der Schweiz und vielen anderen europäischen und überseeischen Ländern betreiben das Fernstudium mit bewundernswertem Fleiß.

Mehrere Jahre lang hatte ich auch die "Austria - Rechtskurse" betrieben, mit denen ich den Maturanten aus den Bundesländern die Möglichkeit geben wollte, ein Rechtsstudium fern von der Hochschule auf dem Wege des Fernunterrichtes zu betreiben und den aka­demischen Titel eines Doctor utriusque iuris zu errei­chen. Wegen der bei den "Pflichtübungen" vorgeschrie­benen Anwesenheitspflicht, der nur die in Reichweite einer Universität wohnenden Kursteilnehmer nachkom­men konnten, habe ich diese Austria-Rechtskurse später wieder eingestellt.

Die Erfolge meiner Berufstätigkeit verdanke ich in erster Linie meinen ausgezeichneten Mitarbeitern, bei deren Auswahl ich seit jeher den strengsten Maßstab hinsichtlich ihrer Fachkenntnisse und ihrer pädagogischen Eignung angelegt habe. Jahrelang war das Lehrerteam der Maturaschule mit Persönlichkeiten besetzt, wie etwa mit dem Landes­schulinspektor Dr. Anton Simonic, Direktur Kuppe, Dr. Ludwig Jedlicka u. s. w.

Ich wäre undankbar, wenn ich an dieser Stelle nicht erwähnte, dass mich seit 1938 meine Gattin Margarethe nicht nur auf dem Lebensweg treu begleitet, sondern auch bei der Führung der Schulgeschäfte zu allen Zeiten einen Großteil der administrativen Arbeiten auf sich ge­nommen hat.

Ihr verdanke ich auch meinen Sohn Dr. Peter, in dessen Hände ich vor wenigen Jahren die Leitung der Maturaschule gelegt habe, der sich nicht nur als Lehrer einer besonderen Beliebtheit erfreut, son­dern auch auf dem Gebiete des Fernunterrichts Pionierarbeit leistet.

Man könnte die Maturaschule Dr. Roland auch als einen ausgesprochenen Familienbetrieb bezeichnen, denn neben allen anderen, über 60 Personen zählenden Mitarbeitern ist auch meine Tochter, Inge Luksch, im Fernunterricht tätig, mein jüngerer Sohn, der Rechtsanwalt Dr. Manfred Roland, ist für die Aufgaben der Rechtsberatung zuständig, und seine Gattin, Frau Dr. Eva Roland, besorgt die gesamte Werbung dieses Unterrichtsunternehmens, während meine andere Schwiegertochter, Eva-Maria Roland, die Personal­betreuung zu ihrer Aufgabe gemacht hat.

Wir alle freuen uns, dass wir nunmehr seit dem Jahre 1945 schon mehr als 7000 Maturanten hervorgebracht haben. Diese Erfolgszahl dürfte nach gewissenhaft eingeholten Informationen nicht nur in Europa, sondern überhaupt von keiner gleichartigen Bildungsinstitution der Welt erreicht worden sein.

 

Dr. Erich Roland

im Jahr 1983