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Leichtere Prüfungen aus Angst vor Shitstorms?

Facebook, Instagram, Snapchat und Co haben über die letzten Jahre massiv an Bedeutung gewonnen. Viele von uns sind täglich auf mindestens einer dieser Plattformen aktiv – unser Smartphone ist kaum mehr wegzudenken. Und jeder, der Zugang zum Internet hat, hat grundsätzlich auch das Recht, dort seine eigene Meinung kundzutun. Doch wie beeinflusst diese Meinungsfreiheit unseren Schulalltag? 

Da Social Media heute ein zentrales Werkzeug der Meinungsbildung sind, interessieren sich auch immer mehr Lehrer dafür, was ihre Schüler über den Unterricht ins Netz schreiben. Konstruktive Kritik gibt es zu genüge, gleichzeitig werden aber auch Shitstorms in den sozialen Netzwerken immer häufiger. Eine mögliche Folge könnte sein, dass Lehrer Hemmungen entwickeln, von Schülern „zu viel“ abzuverlangen, da sie negative Reaktionen seitens der Schüler fürchten. Je innovativer die Aufgaben gestellt werden, desto häufiger regen sich die Schüler darüber auf, so der britische Experte Robert Coe von der Durham University.

Bereits wenige Minuten nach der Prüfung können sich manche Lehrer häufig schon auf einen Shitstorm einstellen – zum Beispiel dann, wenn die Schüler unerwartete Testfragen zu meistern haben. Coe’s These: die Prüfungsfragen werden immer einfacher und auch immer vorhersehbarer. Folglich würde man bloß durch das reine Erkennen längst bekannter Fragemuster mit guten Noten belohnt werden. Dadurch können selbstständiges Lernen und kreatives Denken mitunter in den Hintergrund rücken und stupides Auswendiglernen zum Schulalltag werden. Sinnvoll ist das nicht.

 „Schüler äußern sich sofort darüber – vielleicht nicht während der Prüfung, aber online schon wenige Minuten nach dem Ende“, verdeutlicht Coe. Lehrer sollten darauf, laut Coe, jedoch keine Rücksicht nehmen. Der Experte hält das „Anpassen“ der Fragen aufgrund möglicher Reaktionen im Netz für unrichtig, da einfachere Prüfungen Schüler nicht fordern. Im Gegenteil, laut Coe bräuchten Schüler anspruchsvolle Aufgaben, die komplexe Themen vermitteln, um so auch ihr eigenes Wissen in verschiedenen Fällen anwenden zu können. Das „voraussagbare Wiederkäuen“ des immer gleichen Lehrstoffs sei kein erstrebenswertes Ziel. Pädagogen sollten sich keineswegs von ihnen einschränken lassen. Oberste Priorität ist die Aneignung des Lerninhaltes, auch wenn dies eine gewisse Mühe fordert, am Ende zahlt es sich aus. Wozu also sich über Prüfungen aufregen, wenn man sich die Zeit sinnvoller einteilen kann, wie mit Lernen zum Beispiel ;-).