Der International Students’ Day wurde 1941 vom International Students’ Council in London ausgerufen. Um die Beweggründe zu verstehen, müssen wir ein Stück weiter zurückreisen. Wir befinden uns nun im Jahre 1939. Die damals noch aufrechte Tschechoslowakei ist von den deutschen Nationalsozialisten besetzt. Bei einer Widerstandsdemonstration am 28. Oktober wird der Medizinstudent Jan Opletal von deutschen Zivilpolizisten angeschossen und stirbt einige Tage darauf an den Folgen seiner Verletzungen. Seine Kommilitonen sehen ihn als Märtyrer, weshalb tausende Studenten am 15. November seinem Begräbnis beiwohnen, welches in eine weitere Anti-Nazi-Kundgebung übergeht - mit drastischen Folgen. Adolf Hitler ordnet vorerst die Schließung aller tschechischen Hochschulen an. Doch dabei bleibt es nicht. Am 16. November 1939 werden neun Studentenführer ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet, am Tag darauf über 1.200 weitere Studenten verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Mindestens zwanzig der Aktivisten überleben die Gefangenschaft nicht, die restlichen werden im Verlauf von drei Jahren schließlich freigelassen. Viele von ihnen fliehen nach England, was wesentlich dazu beiträgt, dass letztendlich auch andere Länder auf die erschütternden Vorkommnisse in Prag aufmerksam werden. Weltweit macht sich Entsetzen breit.

Infolgedessen ruft der in London tagende „International Students’ Council“ 1941 erstmals zu einem International Student’s Day auf, der seitdem jährlich am 17. November abgehalten wird.

Doch die Geschichte geht noch weiter...

Die Weltorganisation der Studenten wird nach der kommunistischen Machtergreifung 1948 für deren Zwecke missbraucht. Zwanzig Studenten von jenem November 1939 werden aufgrund ihrer politischen Überzeugung zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilt. Am 17. November 1989 rufen erneut Studenten zu einer Demonstration anlässlich des 50. Jahrestages der blutigen Ereignisse in Prag auf. Die tschechische Polizei greift ein und auch diesmal werden hunderte Personen verletzt. Eine Welle an Demonstrationen prägt die darauffolgenden Tage, bis die sozialistische Regierung letztendlich zurücktritt. So wird der 17. November ein weiteres Mal zu einem historischen Tag – diesmal steht er jedoch im Zeichen der Befreiung.

Und heute?

Leider gerät dieser Gedenktag immer mehr in Vergessenheit.

Die European Student’s Union, der Dachverband der europäischen Studierendenschaften, vergibt anlässlich des Internationalen Studententag und zur Erinnerung an Jan Opletal den Jan Opletal Prize.

Der Internationale Weltstudententag soll nicht nur an jenes gewalttätige Vorgehen gegen Studenten erinnern. Er soll uns auch bewusstmachen, dass Studieren nach wie vor ein Privileg ist, welches viel zu vielen vorenthalten wird. Also denkt immer daran, wenn ihr das nächste Mal vor einem schulbedingten Nervenzusammenbruch steht ;)

Für nähere Informationen, empfehlen wir euch diese Artikel:

http://www.radio.cz/de/rubrik/geschichte/17-november-tag-des-kampfes-fuer-freiheit-und-fuer-die-demokratie

http://www.radio.cz/de/rubrik/geschichte/zwei-studenten-des-jahres-1939